Wolfgang Amadeus Mozart

Aus Salzburger Kulturlexikon 3.0
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Mozart, Detail aus einem Gemälde von Johann Nepomuk della Croce, ca. 1781
Mozarts Unterschrift
Mozart in Hofkleidung, Ölgemälde 1763

Wolfgang Amadeus Mozart, Taufnamen: Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus, * 27. Jänner 1756 in Salzburg, † 5. Dezember 1791 in Wien, Komponist; siebentes (zweites überlebendes) Kind des Salzburger Hofmusikers Leopold Mozart und seiner Frau Anna Maria Mozart, geborene Pertl.

Vornamen

Mozart wurde im Familienkreis als Kind Wolfgangerl, später Wolfgang genannt; der Taufname Theophilus wurde anfangs in der deutschen Form Gottlieb, seit den Italienreisen ab 1769 als Amadeo verwendet; nach dem Aufenthalt in Paris 1778 nannte sich Mozart konsequent Wolfgang Amadé Mozart. Die heute gebräuchliche latinisierte Ansetzung Amadeus kommt in Originaldokumenten und -briefen nur ausnahmsweise, dann meist mit scherzhaftem Unterton vor; sie verbreitete sich ausgehend von der Musikpublizistik erst im frühen 19. Jahrhundert.

Kindheit, erste Reisen

Schießscheibe, zeigt Mozart und seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart (das Bäsle)

Der Vater Leopold Mozart förderte seine musikalischen Kinder Maria Anna und Wolfgang Amadeus früh; er erteilte seinem Sohn ab dem vierten Lebensjahr Klavier-, später auch Violin- und Theorieunterricht und unterstützte von Anfang an dessen außergewöhnliche kompositorische Begabung, indem er von Wolfgang Amadeus am Klavier improvisierte Kompositionen aufzeichnete; die ersten Kompositionen Wolfgangs (im sogenannten Nannerl-Notenbuch) entstanden kurz nach dessen fünftem Geburtstag. Erste Auftritte in Salzburg sind als Tänzer im Schuldrama Sigismundus Hungariae Rex der Benediktiner-Universitat am 1. September 1761 und als sechsjähriger Geiger am Salzburger Hof belegt. Erste Reisen führten die beiden Wunderkinder mit ihrer Familie an die Höfe in München (Jänner 1762) und Wien (Oktober 1762). Unmittelbar nach dem Hubertusburger Frieden[1] trat die Familie Mozart, unterstützt durch Fürsterzbischof Sigismund III. Graf Schrattenbach, im Juni 1763 eine dreieinhalbjährige Westeuropareise (bis November 1766) an. Leopold berichtete von diesen Reisen ausführlich an seinen Vermieter Johann Lorenz Hagenauer und sorgte dafür, dass die ersten in Paris und Holland gedruckten Kompositionen des Knaben auch in Salzburg Verbreitung fanden. Eine weitere, nur teilweise erfolgreiche Reise führte von September 1767 bis Jänner 1769 nach Wien. Bald danach hielten sich Leopold und Wolfgang Amadeus bis 1773 überwiegend in Italien auf (mit Ernennung Wolfgangs zum Ritter vom Goldenen Sporn sowie Aufnahme in die Akademien zu Bologna und Verona), eine Zeitlang auch in Wien. 1773 übersiedelte die Familie Mozart vom Löchlplatz 225 (heute Getreidegasse 9; Mozarts Geburtshaus) in eine wesentlich größere Wohnung im Tanzmeisterhaus am Hannibalplatz (heute Makartplatz 8; Mozart-Wohnhaus).

Patronanz

Die Italienreisen der Mozarts
Mozarts Mutter Anna Maria, 1775

Kurz vor der ersten Italienreise hatte Fürsterzbischof Sigismund III. Graf Schrattenbach Wolfgang Amadeus am 27. November 1769 zum dritten, unbesoldeten Konzertmeister ernannt; unter seinem Nachfolger Hieronymus Graf Colloredo erfolgte am 21. August 1772 die Beförderung zum bezahlten Konzertmeister. Die Violine war bis etwa 1777 Mozarts Paradeinstrument; im Selbststudium perfektionierte er dann aber sein Klavierspiel, mit dem er schon als Kind Aufsehen erregt hatte, weiter. Bis zur Mutation im Sommer 1770 hatte er eine gut trainierte Sopranstimme, später eine angenehme, aber für einen professionellen Gebrauch zu schwache Tenorstimme. Während Fürsterzbischof Schrattenbach die auswärtigen Aufenthalte der Familie Mozart nicht nur bereitwillig genehmigt, sondern auch über die Beibehaltung der Besoldung hinaus durch Zuwendungen aus seiner Privatschatulle großzügig unterstützt hatte, erteilte Fürsterzbischof Colloredo hierzu – auch angesichts der von seinem Vorgänger hinterlassenen Schulden – nur eingeschränkt seine Zustimmung. So konnte Wolfgang Amadeus zwar die Premieren seiner Opern für München (La finta giardiniera 1774/75 und Idomeneo 1780/81) vor Ort vorbereiten, für eine von Wolfgang Amadeus und Leopold geplante längere Reise nach Mannheim und Paris wurde 1777 aber kein Urlaub gewährt, sodass diese nur durch das Ausscheiden Wolfgang Amadeus' aus dem Hofdienst realisiert werden konnte, wobei er – als Einundzwanzigjähriger – von der Mutter Anna Maria begleitet wurde. Auf Betreiben Leopolds wurde Wolfgang Amadeus Anfang 1779 – zu durchaus vorteilhaften Konditionen – wieder in den fürsterzbischöflichen Dienst aufgenommen, nunmehr als Hoforganist in Nachfolge des bereits 1777 verstorbenen Cajetan Adlgasser.

Wien

Foto von Constanze Weber (links), 1840

Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo beorderte Mozart Anfang 1781 von München auf direktem Weg nach Wien, um dort mit seinen tüchtigsten Musikern zu glänzen; Wolfgang Amadeus nutzte – nach verbalen Auseinandersetzungen mit dem Fürsterzbischof – die Gelegenheit, dort zu bleiben, wurde aber mehrfach daran gehindert, sein Entlassungsgesuch dem Fürsterzbischof vor dessen Rückreise nach Salzburg zu übergeben, sodass Mozart fürchten musste, bei einer etwaigen Rückkehr in Salzburg arretiert zu werden. Erst in der Zeit von Juli bis Oktober 1783 hielt sich Wolfgang Amadeus zusammen mit Constanze, die er gegen den Willen des Vaters 1782 in Wien geheiratet hatte, zum letzten Mal in seiner Geburtsstadt auf; inwieweit dieser Besuch einer Aussöhnung mit dem Vater und dem Fürsterzbischof dienen sollte, ist dokumentarisch nicht belegt. Wie es Brauch war, wurde 1783 der erstgeborene Sohn von Wolfgang Amadeus und Constanze nach seinem Großvater auf den Namen Leopold getauft (der Säugling wurde in Wien bei einer Amme zurückgelassen und starb noch während des Salzburger Aufenthalts von Wolfgang Amadeus und Constanze).

Leopold erwiderte den Besuch und reiste Anfang 1785 für zehn Wochen nach Wien, wo er die großen Erfolge seines Sohnes als Pianist und Komponist miterlebte. In Wien war Wolfgang Amadeus freischaffender Künstler, der Unterricht in Klavier und Komposition erteilte und als Pianist in eigenen und fremden Konzertveranstaltungen auftrat und Orchesterwerke, insbesondere seine bahnbrechenden Klavierkonzerte, vom Instrument aus leitete. Mozarts Klavier- und Kammermusik der Wiener Jahre wurde mit wenigen Ausnahmen rasch nach der Entstehung in der Kaiserstadt in autorisierten Ausgaben gedruckt; Druckprivilegien verhinderten zwar erfolgreich illegale Nachdrucke im Habsburgerreich, standen gleichzeitig aber bis etwa 1800 einer internationalen Verbreitung entgegen.

Kammer-Compositeur

Mozart, gemalt von Barbara Krafft im Jahr 1819

Mozarts besonderes Interesse, dem er in Salzburg nicht nachgehen konnte, galt der Oper; Aufträge für neue Opern wurden auch großzügig honoriert. Daneben bemühte Mozart sich um feste Anstellungen; er wurde im Dezember 1787 zum „Kammer-Compositeur“ im Dienst von Kaiser Joseph II. ernannt und erhielt im Mai 1791 die Anwartschaft auf das Kapellmeisteramt am Dom St. Stephan. Vor allem am Anfang seiner Wiener Zeit berichtete Mozart ausführlich von seinen musikalischen Aktivitäten nach Salzburg und sandte dem Vater regelmäßig Kompositionen verschiedener Gattungen im Autograf zur Begutachtung und seiner Schwester Werke mit Klavier, darunter Klavierkonzerte und Kadenzen, in Kopie zum praktischen Gebrauch. Auch hier ermahnte er seine eigene Familie, die Werke unter Verschluss zu halten und nicht an Dritte weiterzugeben. Nur ausnahmsweise schrieb Mozart – wie im Falle der Haf[f]ner-Sinfonie KV 385 im Juli 1782 anlässlich der Nobilitierung von Sigmund Hafner d. J. – in Wien noch Kompositionen explizit für die Verwendung in Salzburg. Frequenz und Umfang des Briefwechsels mit Vater und Schwester ließen nach 1784 stark nach; die Korrespondenz mit seiner Schwester erlosch mit den Verhandlungen über die Regelung der Verlassenschaft des Vaters im Jahr 1787. Trotz weit überdurchschnittlicher Einkünfte hinterließ Mozart bei seinem Tod am 5. Dezember 1791 große Schulden; eine bereits seit 1786 geplante und mehrfach verschobene Reise nach England konnte nicht mehr verwirklicht werden.

Persönliches

Familie Mozart beim Musizieren, Johann Nepomuk della Croce, um 1780
Mozart war auffällig klein von Wuchs; das Gesicht war durch Pockennarben entstellt, seine Gesichtsfarbe wird von seiner Schwester als gelb und ungesund beschrieben, nur seine Augen verrieten Feuer. Mozart suchte diese körperlichen Nachteile zeitlebens durch Frisur, Kleidung und Auftreten zu kompensieren. Auffällig ist, dass sich Mozart von der Wiener Zeit an nur noch im Profil malen ließ; das Familienporträt von 1780/81 (Johann Nepomuk della Croce zugeschrieben, heute in Mozarts Wohnhaus ausgestellt) ist eines der spätesten Porträts, das ihn en face zeigt. Als Kind machte Mozart mehrfach lebensbedrohliche Erkrankungen durch; später war er ein rastloser, sich nicht schonender Virtuose und Komponist. In den letzten Lebensjahren war Mozart übergewichtig und litt unter Schlaflosigkeit, wahrscheinlich auch unter
Profilbild Mozarts von Doris Stock, 1789
Alkoholmissbrauch und Depressionen.

Massive Geldsorgen, teils durch kostspielige, nicht standesgemäße Kuren seiner fast immer kränkelnden Frau, teils wahrscheinlich durch Spielsucht mitverursacht, belasteten ihn zusätzlich. Mozart hatte in Wien einen Freundeskreis aus professionellen Musikern, hauptsächlich aber aus musikalischen Dilettanten und liebte – wie schon in Salzburg – die Geselligkeit und alle Arten von Spielen. Mozart war Katholik; er stand zwar der Kirche als Institution kritisch gegenüber, blieb aber zeitlebens an Kirchenmusik interessiert; gleichzeitig war er in Wien aktiver Freimaurer, was aber seinerzeit nicht als Widerspruch zum Katholizismus angesehen wurde.

Ausbildung, Vorbilder

Eine formale Ausbildung in Komposition hat Wolfgang Amadeus nicht durchlaufen; der Vater überwachte die Fortschritte seines Sohns, griff aber nach 1768 kaum noch in dessen Kompositionen ein. Gemeinsame Kopien und Studien von Vater und Sohn finden sich aber noch bis in die Zeit um 1773. Wolfgang Amadeus orientierte sich vornehmlich an praktischen Mustern, wobei ihm die vielen Reisen und die von dort mitgebrachten Musikalien von Vorteil waren. Seinem Vater schrieb er später (7. Februar 1778), dass er „so ziemlich […] alle art und styl vom Compositions annehmen und nachahmen“ könne. An den Sinfonien lässt sich beispielhaft beobachten, wie er zunächst den in London gepflegten Stil eines Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach imitierte, dann auf den Reisen nach Wien das dort beliebte Menuett in seine Sinfonien integrierte, auf den Italienreisen den Stil an den dortigen Geschmack anpasste, ehe er mit den Sinfonien ab KV 162 im Jahre 1773 zu einem unverwechselbar eigenen Stil fand. Nur auf dem Gebiet der Kirchenmusik stehen Salzburger Vorbilder im Vordergrund, da das Musikrepertoire am Salzburger Dom seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert von lokalen Kräften dominiert wurde; nicht einmal aus Wien wurde Kirchenmusik in größerem Umfang importiert.

Salzburger Schaffen

Die Getreidegasse mit Mozarts Geburtshaus

Obwohl Mozart zwischen 1763 und 1780 nur etwa die Hälfte der Zeit in Salzburg verbrachte, erweisen sich die Zeiten des Aufenthalts in seiner Geburtsstadt gegenüber denen auf Reisen als kompositorisch besonders ertragreich. Nur die bis 1782 entstandenen Opern wurden nahezu ausschließlich für auswärtige Gelegenheiten komponiert. Ausnahmen sind in diesem Genre nur die beiden Serenaten Il sogno di Scipione KV 126 und Il re pastore KV 208; zudem ließ Fürsterzbischof Schrattenbach 1769 La finta semplice KV 51 in Salzburg aufführen, nachdem eine Aufführung in Wien im Vorjahr vereitelt worden war. Ein großer Teil von Wolfgang Amadeus' Salzburger Schaffen besteht aus Auftragswerken und Gelegenheitskompositionen. Schon mit 11 Jahren wurde er bei prestigeträchtigen Aufträgen der Benediktiner-Universität berücksichtigt; hierzu gehören das Schuldrama Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebots KV 35, das Intermedium Apollo et Hyacinthus KV 38 und verschiedene Cassationen (Finalmusiken) für Jahresabschlussfeiern; allerdings gelang es Mozart nicht, hieraus dauerhaft Kapital zu schlagen – in den 1770er-Jahren wurden auch Michael Haydn und der Violinvirtuose und Gelegenheitskomponist Joseph Hafeneder bei derartigen Anlässen berücksichtigt. Für das Stift St. Peter waren offenbar u.a. die Dominicus-Messe KV 66 (zur Primiz von Kajetan Rupert Hagenauer als P. Dominicus am 15. Oktober 1769) und das Graduale Sancta Maria, mater Dei KV 273 bestimmt, für die unmittelbar in Nähe des Mozart-Wohnhauses gelegene Dreifaltigkeitskirche wahrscheinlich die Trinitatismesse KV 167 und eine zweite Fassung der ursprünglich 1773 für Mailand komponierten Motette Exsultate, jubilate KV 165. Spezifisch Salzburger Traditionen gehören sowohl die Divertimenti für Blasinstrumente in Harmoniemusikbesetzung als auch die als Nachtmusiken für Freiluftaufführungen konzipierten Divertimenti für Streicher und 2 Hörner an (Lodron’sche Nachtmusiken KV 247 und 287, Robinig-Musik KV 334 und das Nannerl-Septett, mit zusätzlicher Oboe, KV 251). Auffällig ist nur die geringe Anzahl an Kammermusikwerken mit Klavier oder für Streichinstrumente allein, die während Wolfgang Amadeus’ Salzburger Jahren entstanden sind.

Kirchenmusik

Die Statue auf dem Mozartplatz

Obwohl mit Mozarts Anstellung am fürsterzbischöflichen Hof als Konzertmeister und Hoforganist formal keine kompositorischen Verpflichtungen verbunden waren, erweist Mozart sich – noch vor Michael Haydn – als der produktivste Komponist von Kirchenmusik am Salzburger Dom in den 1770er-Jahren. Zu nennen sind hier acht Messen (mit KV-Nummern von 192 bis 275), vier Litaneien und zahlreiche kleinere Kirchenwerke. Nach der Ernennung zum Hoforganisten kamen in den Jahren 1779 und 1780 noch die Messen KV 317 und KV 337 sowie die Vespern KV 321 und KV 339 hinzu. Eine Salzburger Besonderheit seit den 1740er-Jahren sind die sogenannten Kirchen- oder Epistelsonaten, die im Messgottesdienst (bis etwa 1783) als instrumentale Zwischenmusiken anstelle des Graduale dienten. Von Mozart sind 17 derartige, ausnahmslos einsätzige Kirchensonaten, teils mit obligater Orgel, erhalten geblieben.

Instrumentalmusik

Eine bedeutende Rolle spielte am (weltlichen) Salzburger Hof die Instrumentalmusik; hierfür dürften die meisten von Wolfgang Amadeus’ Sinfonien, aber beispielsweise auch die fünf Violinkonzerte (1773–75) entstanden sein. Weitere Instrumentalkonzerte (u.a. für Fagott KV 191, Flöte KV 313, Oboe KV 314 und für ein oder mehrere Klaviere und Orchester) dürften eher für private Aufführungen im Tanzmeisterhaus oder für den Adel bestimmt gewesen sein; teilweise sind aber auch Aufführungen von Instrumentalkonzerten in der Kirche (z.B. in Maria Plain am 19. August 1774) nachgewiesen. Vereinzelt hat Mozart Arien für Theatertruppen, die in Salzburg gastierten, geschrieben (z. B. KV 255 und KV 365a). Während seines Salzburger Aufenthalts im Sommer 1783 arbeitete Mozart an der Missa in c KV 427 (ohne sie abzuschließen), begann die Arbeit an der Oper L’oca del Cairo KV 422 (auf ein Libretto von Giambattista Varesco) und komponierte in Vertretung des erkrankten Michael Haydn für Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo zwei Duos für Violine und Viola KV 423/424.

Zeitgenossen

Johann Michael Haydn, Lithografie, um 1815

Mozarts Stellung innerhalb der Salzburger Musikszene ist mangels aussagekräftiger Dokumente nur schwer zu bestimmen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war Wolfgang Amadeus jedenfalls mit Ausnahme von Michael Haydn und (mit Abstrichen) auch von Leopold Mozart der einzige in Salzburg tätige Komponist von überregionaler Bedeutung; die hochrangigen italienischen Musiker in fürsterzbischöflichen Diensten – Domenico Fischietti (ab 1772; bis 1783 Titularkapellmeister), Giacomo Rust (1777) und Luigi Gatti (Kapellmeister ab 1782) – konnten die in sie gesetzten Erwartungen als Komponisten nur teilweise erfüllen. Die Familie Mozart hatte durch die prestigeträchtigen und teils auch lukrativen Reisen unter Fürsterzbischof Sigismund III. Graf Schrattenbach große Privilegien genossen, die geeignet waren, unter den Musikerkollegen Neid hervorzurufen. In der privaten Korrespondenz finden sich mehrfach abschätzige Bemerkungen über Salzburger Musiker und ihr Verhalten, die in Ermangelung anderer Zeugnisse häufig überbewertet werden, obwohl diese Aussagen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren; engere Beziehungen unter den Salzburger Komponisten pflegte die Familie Mozart nur zu Michael Haydn, der in allen Gattungen geschätzt wurde; Wolfgang Amadeus ließ sich Werke Haydns noch nach Wien nachsenden, insbesondere kontrapunktische Kirchenstücke.

Sammlungen

Manuskript zur Sinfonie Nr. 34

Heute finden sich nur kleine Teile von Mozarts Schaffen im Original in Salzburg. Im Archiv der Erzdiözese werden Originalstimmensätze zu zahlreichen kirchenmusikalischen Werken aufbewahrt; ein weiterer Teil gelangte nach dem Tod von Leopold irrtümlich an das Augustiner-Chorherrenstift Heiligkreuz in Augsburg. Die umfangreiche weltliche Musikaliensammlung der Salzburger Fürsterzbischöfe, die eine nahezu vollständige Sammlung der bis 1780 entstandenen Sinfonien Mozarts enthielt, ist im frühen 19. Jahrhundert verloren gegangen. Erst mit dem Dom-Musikverein und Mozarteum formierte sich 1841 eine institutionalisierte Mozart-Pflege; die Bibliotheca Mozartiana der Internationalen Stiftung Mozarteum ist heute die größte Spezialbibliothek zu Wolfgang Amadeus und seiner Familie mit wertvollen Autografen, die überwiegend über die beiden Söhne Mozarts, Carl Thomas Mozart und Franz Xaver Wolfgang Mozart, um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Salzburg gekommen sind.

Mozarts Gesamtschaffen umfasst vokale und instrumentale, geistliche und weltliche Werke in allen musikalischen Stilen und Gattungen des 18. Jahrhunderts. Das von Ludwig von Köchel 1862 erstellte, seither mehrfach erweiterte und aktualisierte chronologisch-thematische Verzeichnis sämmtlicher Tonwerke Wolfgang Amadé Mozartʼs verzeichnet etwa 600 vollendete und mehr als 150 unvollendete Kompositionen. Von den vollendeten Werken stammen etwa 60% aus den Salzburger Jahren bis 1780. Diese spielen aber in der heutigen Musikpraxis, mit Ausnahme einiger Sinfonien sowie der konzertanten Werke, gegenüber dem Wiener Schaffen nach wie vor eine untergeordnete Rolle.

Nachruhm

Mozarts Nachruhm setzte schon bald nach seinem Tod ein und ist bis heute ungebrochen; das Mozart-Bild unterliegt dabei einem beständigen Wandel. Salzburg entsann sich erst relativ spät seines großen Sohns, obwohl Maria Anna (seit 1801) und Constanze Mozart (seit 1824) in Salzburg lebten. Salzburg wurde aber schon in den 1820er-Jahren gezielt auf den Spuren Mozarts aufgesucht (u.a. von Franz Schubert, Mary und Vincent Novello und Joseph Panny). 1842 wurde das Salzburger Mozart-Denkmal enthüllt, und mit der Mozart-Säkularfeier 1856 erlebte die bewusste Pflege des maßgeblich bereits von Constanze Mozart initiierten Mozart-Kults in der Stadt einen weiteren Höhepunkt. Seit 1880/81 hat die Internationale Stiftung Mozarteum als privater Verein die Federführung in der Salzburger Mozart-Pflege übernommen, und zwar durch musikalische Aufführungen (insbesondere die seit 1956 jährlich stattfindende Mozartwoche), museale Präsentation (Mozarts Geburtshaus, Mozart-Wohnhaus, Zauberflötenhäuschen) und wissenschaftliche Erschließung (insbesondere auf dem Gebiet der Mozart-Edition durch die sogenannte Alte Mozart-Ausgabe [Leipzig 1877–83, mit Nachträgen bis 1910], die Neue Mozart-Ausgabe [Kassel u.a. 1954–2007, mit Nachträgen] und die Digitale Mozart-Edition [seit 2007, in Verbindung mit dem Packard Humanities Institute, Los Altos, Kalifornien]). Die Aufführung von Mozarts Werken ist seit Anbeginn auch ein zentrales Anliegen der 1920 erstmals veranstalteten Festspiele; eine wichtige Vermittlerrolle kommt auch der Universität Mozarteum zu. Die Wirkung Mozarts im In- und Ausland hat heute kaum noch überschaubare Ausmaße angenommen, zumal Mozarts Name für kommerzielle Zwecke nicht generell, sondern allenfalls für einzelne Warengruppen (aber z.B. nicht einmal für die weltweit unter der Bezeichnung Mozartkugel vertriebenen Süßwaren) geschützt werden kann.

Lit.:

  • G.G. Bauer: Mozart und Constanze 1783 zu Besuch in Salzburg. Salzburg 2012.
  • M.H. Schmid, P. Eder: M. in Salzburg. Ein Ort für sein Talent. Salzburg 2006.
  • R. Angermüller: Daten zu Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte der M.s. 2 Bde. Tutzing 2003.
  • G. N. Nissen: Biographie Wolfgang Amadeus M.’s. Leipzig 1828.

U.L.

  1. Als Frieden von Hubertusburg (auch Hubertsburger Frieden) bezeichnet man die am 15. Februar 1763 geschlossenen Friedensverträge zwischen Preußen, Österreich und Sachsen. Die Verträge wurden auf dem sächsischen Schloss Hubertusburg östlich von Leipzig unterzeichnet und beendeten den Siebenjährigen Krieg in Deutschland.